Szene

Von Beruf Spieleautor –
wenn Pappdukaten zu Euro werden

Spiele erfinden und reich werden?

Früher war grundsätzlich alles besser. Für Spieleautoren gilt das nicht. Erst ab 1980 wurden Spiele stärker beachtet, die von unabhängigen Autoren entwickelt wurden – in Konkurrenz zu den Verlagsredaktionen. Den Durchbruch schafften die Autorenspiele 1995 mit dem Erscheinen von Klaus Teubers Die Siedler von Catan. Heute hat sich eine große Spieleautorenszene etabliert und nicht wenige Hobbyspieler träumen von ihrem „eigenen“ Spiel. Wir starten mit diesem Artikel eine lose Serie rund ums Spieleerfinden.

Rechenaufgabe: Was verdiene ich an meinem Spiel?Rechenaufgabe: Was verdiene ich an meinem Spiel?

Wenige Spielautoren leben von dem, was ihre Spiele einbringen. Vertreter dieses elitären Kreises sind Rainer Knizia (Fits), Wolfgang Kramer (Einauge sei wachsam) oder Michael Schacht (Valdora). Die breite Masse der Autoren verdient ihren Lebensunterhalt in anderen Berufen und pflegt das Spieleerfinden als Hobby. Dennoch träumen die meisten Autoren, eines Tages von Ihren Werken zu leben. Doch woher kommt das Geld eigentlich?

Spielautoren reichen ihre Ideen bei einem oder mehreren Verlagen ein. Interessiert sich ein Verlag für das Spiel, fordert die Redaktion einen Prototyp an und testet diesen ausgiebig. Soll das Spiel veröffentlich werden, schließen Verlag und Autor einen Vertrag, der die Nutzungsrechte an dem Spiel an den Verlag überträgt. Ein weiser Autor besteht darauf, nicht ein Pauschalhonorar, sondern eine Umsatzbeteiligung zu bekommen. Die übliche Beteiligung liegt bei fünf Prozent vom Nettoabgabepreis, also dem Preis, zu dem die Händler das Spiel beim Verlag einkaufen. Dieser liegt ohne Mehrwertsteuer etwa bei der Hälfte des Ladenpreises (letzterer wieder inklusive Mehrwertsteuer).

Ungünstige Verträge beteiligen den Autor am reinen Nettopreis – auch „Fabrikpreis“ genannt. Dieser ist jedoch schwammig definiert und wird gemindert durch Rabatte, Partieexemplare oder Provisionsabzüge. Die Verträge sind meist auf drei Jahre begrenzt; bei länger laufenden oder unkündbaren Verträgen wird häufig eine jährliche Mindestzahlung vereinbart. Am Vertragsende sollten alle Rechte an den Autor zurückfallen – auch die vom Vertrag eingetragenen Schutzrechte, wie etwa der Spieltitel.

Bleibt eine Rechenaufgabe: Ein Spiel kostet im Handel durchschnittlich 20 Euro. Die Auflagen der Autorenspiele liegen meist im Bereich von 1.000 bis 10.000 Exemplaren. Für den Autor fallen also zwischen 500 und 5.000 Euro ab – Verkauf der gesamten Auflage vorausgesetzt. Anders sieht es aus, bekomt das Spiel den begehrten Preis Spiel des Jahres verliehen. Die Auflage schnellt im ersten Jahr auf 200.000 bis 400.000 Exemplare. Der Autor freut sich dann über 100.000 bis 200.000 Euro.

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